Moseltal: Frühe Blüten am Martberg

Der Martberg beeindruckt uns mit seiner rauen Schieferlandschaft und einem Klima, das schon früh im Jahr erste Blüten hervorbringt. Mit dem seltenen Felsen-Gelbstern geht es Ende Februar los. Mitte März folgt die kräftig violette Blüte der Kuhschelle. Unser Rundweg beginnt und endet im Winzerdorf Pommern. Oberhalb der Weinberge ragen Felsnasen mit botanisch hochinteressanten Trockenrasen aus dem Hang. Auf dem 273 m hohen Gipfelplateau treffen wir schließlich auf Reste eines römischen Tempels. Für die leichte bis mittelschwere Tour haben wir inklusive Pausen drei Stunden benötigt. Weitere Hinweise und einen Link zu einem Streckenplan findest du am Ende des Beitrags.

Das Wasser der Mosel ist auffällig grün gefärbt. Da sie deutlich langsamer fließt als etwa der Rhein, gedeihen in ihr mehr Algen und andere Wasserpflanzen. Als weiterer Grund werden die Schiefergesteine in ihrem Einzugsgebiet genannt, deren Mineralien das Licht in einer besonderen Weise brechen.

In den Weinbergen herrscht noch Winter. Dennoch lassen sich am Wegrand schon erste Schmetterlinge blicken, hier ein Tagpfauenauge.

Der erste von vielen schönen Ausblicken zeigt den Ort Pommern, dessen Weinberge wir nun hinter uns lassen und einen steilen Serpentinenaufstieg an einem sonnigen Hang beginnen.

Buchsbäume gedeihen hier nicht so üppig wie am Buchsbaumwanderpfad bei Treis-Karden, aber das eine oder andere Exemplar entdecken wir. Die unscheinbare Blüte hat gerade begonnen. Außer am Oberrhein kommt der wärmeliebende Buchsbaum von Natur aus nur hier an der Untermosel vor. Vom Buchsbaumzünsler, einem invasiven, in Ziergärten gefürchteten Schmetterling, scheint der hiesige Bestand bisher verschont zu bleiben.

Zwei frühe Veilchenarten schieben ihre Blüten schon heraus. Hellblau sind sie beim Rauen Veilchen, kräftig blauviolett beim Duftveilchen. Letzteres stammt eigentlich aus dem Kaukasus und wurde schon im Mittelalter wegen seines betörenden Dufts in die mitteleuropäischen Gärten eingeführt. Daraus verwilderte es, gilt heute als Archäophyt und somit im Naturschutz als einheimische Art. 

An einer Fahne ist der Aussichtspunkt Fahrlei zu erkennen, unser wichtigstes Ziel des Tages. Natürlich gucken alle erst einmal den Steilhang hinunter zur Mosel. Aber dann lohnt auch ein Blick auf den Boden. Felsen treten an einer steilen Hangkante aus. Hier gedeiht ein Trockenrasen mit wärmeliebenden Pflanzenarten. Die Blüte der Kuhschelle ist gerade in vollem Gang. Eigentlich ist sie typisch für die Kalkmagerrasen der Eifel, aber auch auf dem nährstoffreichen Schieferboden gedeiht sie recht gut. In halb geöffnetem Zustand erinnern die Blüten an Kuhschellen. Aus der Verkleinerungsform „Kühchen“ entstand der zweite Name Küchenschelle, unter dem die Pflanze auch bekannt ist.

Für den Felsen-Gelbstern ist es schon fast zu spät, doch ein paar Blüten sind noch offen. Die seltene Zwiebelpflanze hat hier einen der wenigen Standorte in der Region, ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt in der ungarischen Steppe. Nach der kurzen Blüte fällt der Gelbstern in sich zusammen und zieht rasch ein. 

Über eine windige Hochfläche erreichen wir die römische Tempelanlage auf dem Martberg. Teile der Ausgrabungsstätte wurden rekonstruiert, um sie für Besucher anschaulicher zu machen. Dahinter finden wir eine windgeschützte Bank für unsere Mittagspause.

Der anschließende Abstieg führt uns durch Wald an der westexponierten Seite des Pommerbachtals. Zwar fehlt noch das Laub an den Bäumen, dafür sorgen Flechten auf der Baumrinde und Efeu, der die Stämme hinaufkklettert, für grüne Farbe.

Hier gedeiht am Wegrand eine weitere frühe Blütenpflanze, die Stinkende Nieswurz, die mit der Christrose verwandt ist. Sie liebt wärmere Standorte, speziell an der Mosel. Im zeitigen Frühjahr bietet sie Insekten Nahrung, eine Hummel ist schon unterwegs. Beim Zerreiben der Blättter riecht es unangenehm, allerdings sollte man das nicht mit bloßen Händen 

Von einer Lichtung aus zeigt ein Blick über die Baumwipfel hinweg am gegenüberliegenden Hang des Pommerbachtals die Ölbergkapelle, oft auch einfach Kapelle im Weinberg genannt, zu der von Pommern ein steiler Pilgerweg führt.

Auf der Lichtung wächst, wiederum auf einer Schieferfelsnase, ein weiterer Trockenrasen mit dem Felsen-Gelbstern. Weil er so schön und selten ist, hier noch einmal ein Foto.

Ein früher Zitronenfalter saugt an einer Purpurroten Taubnessel. Die Tiere überwintern ungeschützt zwischen Pflanzen, was sonst keinem mitteleuropäischen Schmetterling gelingt. An sonnigen Tagen wie heute sind sie dann sofort aktiv. 

Im Ortskern von Pommern stehen noch viele schöne, alte Steinhäuser. Was aus der Ferne wie Klinker aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinschauen als so etwas wie Sandstein. Es handelt sich um Mosel-Grauwacke aus der Zeit des Unterdevons, der ganz in der Nähe, im Dünnbachtal bei Treis-Karden, bis heute abgebaut wird. Dieses Gestein ist keineswegs nur langweilig grau, sondern nimmt die verschiedensten, oft rötlichen oder sogar bläulichen Erdtöne an.

In Pommern empfehlen wir, nicht in den Ort mit seinen engen Gassen hineinzufahren. Besser parkst du in der Nähe des Moselufers an der Moselweinstraße B 49, wo wir zum Beispiel auf dem kleinen Parkplatz nahe der Unterführung zur Weissergasse (GPS 50.169039, 7.274462) eine Lücke gefunden haben. Der Bahnhof von Pommern (Mosel) liegt nur wenige Fußgängerminuten entfernt am Westrand des Ortes. Die Regionalbahn von Koblenz nach Trier (z.T. nur bis Cochem) hält hier etwa 2 x pro Stunde.

Aus dem Ort heraus folgen wir zunächst dem ausgeschilderten Lenus-Mars-Weg, verlassen diesen aber am oberen Rand der Weinberge, wo er scharf nach links abknickt. Dort gehen wir rechts auf einem breiten, hangparallelen Weg weiter (hier also noch nicht den Hang hinauf). Unser erstes Ziel, die Felsnase Fahrlei, ist an einer Fahne von weitem zu erkennen. Dorthin führt nach Umrundung eines kleinen Tals ein steiler Serpentinenweg. Oben quer über die Hochfläche bis zur römischen Tempelanlage, wo wir wieder auf den Lenus-Mars-Weg treffen. Auf diesem dann zurück nach Pommern. Eine Routenkarte zur besseren Orientierung habe ich bei Komoot eingestellt.

Von Mai bis Oktober öffnet an den Wochenenden das Martberg-Café, dann ist auch der restaurierte Tempel von innen zu besichtigen. Genaue Zeiten siehe hier.

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