Teutoburger Wald: Bei den Externsteinen

Die bizarre Felsgruppe der Externsteine trifft auf den malerischen Wiembecketeich und die stille Bergheide Knickenhagen. Alte Buchenwälder, in denen sich weitere Felsen verteilen, verbinden diese Highlights der Tour. Die Wanderung ist eher leicht, auch wenn der Abstieg vom Knickenhagen über den Lönsstein rutschig sein kann und etwas Trittsicherheit voraussetzt. Wir haben etwa eineinhalb Stunden benötigt. Hinzu kommt circa eine halbe Stunde, falls du zusätzlich die Externsteine besteigen möchtest. Weitere Hinweise und einen Link zu einem Streckenplan findest du am Ende des Beitrags. 

Auch wenn alles ganz natürlich aussieht, so ist doch die Anlage des Teiches zu Füßen der Externsteine durch Aufstauen der Wiembecke den Romantikern des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Sie wollten den ohnehin schon imposanten Anblick der Felsen noch verschönern.

Da das Wasser am Fuß der Felsen nagt, war verschiedentlich schon vom Rückbau des Teiches die Rede. Doch diese Pläne verschwanden wieder in der Schublade, da das Gewässer sich inzwischen zu einem wertvollen Biotop entwickelt hat. Bei unserem Besuch leuchtem am Ufer die goldgelben Blüten des Gilbweiderichs.

Ebenfalls am Ufer entdecken wir außerhalb der umzäunten Felsanlage diese wohl im Mittelalter in den relativ leicht zu bearbeitenden Kalksandstein geschlagene Nische mit einer Vertiefung, die als offener Steinsarg gedeutet wird. Sie erinnert an antike Gräber in den römischen Katakomben, wo der Sarg nach der Beisetzung mit einer Steinplatte abgedeckt wurde.

Natürlich lassen wir uns die durchaus anstrengende Besteigung der Felsen nicht entgehen. Auf den mittleren dieser drei Felsen führt eine steile Steintreppe. Dann geht es über die gewagte Brücke hinüber zum mit 31,6 m höchsten der Felsen links, auf dem sich eine mittelalterliche Altarnische befindet. Ein weiterer Anstieg führt zu einer Aussichtsterrasse am vordersten Felsen am See (hier nicht im Bild). Auf dem Felsen rechts, der nicht durch Treppen erschlossen wurde, ist der „Wackelstein“ zu sehen. Aus Sicherheitsgründen wurde er inzwischen mit Metallbändern und Beton fixiert.

Nun geht es in seltener besuchtes Gelände. Auf dem Bergrücken des Knickenhagen reihen sich weitere, wenn auch nicht ganz so spektakuläre Felsen. Auffällig ist der wunderbare, sehr natürlich wirkende Buchenwald an diesem Hang, den wir hinaufsteigen. Während die berühmten vier unteren Felsen durch Erosionskräfte fast vollständig aus dem umliegenden, weicheren Gestein herauspräpariert wurden, stecken diese Felsen hier noch großenteils in ihrem Gesteinsverband. Das Gestein selbst entstand vor etwa 130 Millionen Jahren in der Kreidezeit in einem damals hier vorhandenen Meer. Später wurde es durch tektonische Bewegungen senkrecht gestellt und anschließend durch Quellwasser und das Gletschereis der Saale-Kaltzeit erosiv bearbeitet.

Oben auf dem Knickenhagen hat eine jahrhundertelange Nutzung als Viehweide diese Heidelandschaft hinterlassen. Von diesen „Waldsofas“ genießen wir den Ausblick.

Heidelbeeren besiedeln den größten Teil dieser Bergheide.

Der Wachtelweizen mit seinen blassgelben Tütenblüten kann zwar selbst Photosynthese betreiben, zapft aber gerne auch Heidelbeeren an, um sich von ihnen Nährstoffe zu „klauen“. Dennoch ist er eine eher konkurrenzschwache Pflanze und kann sich – ähnlich wie das Heidekraut – nur durchsetzen, wenn hin und wieder der zu nährstoffreiche Oberboden abgetragen wird. Früher wurden die sogenannten Plaggen, ausgestochene Teile des Oberbodens, zur Düngung von Feldern verwendet. Heute ahmt der Naturschutz diese Tradition nach, um die Artenvielfalt der Bergheide zu erhalten. Auch Bäume müssen immer mal entfernt werden. Außerdem erfolgt nach wie vor Beweidung durch Schafe.

Auf entblößten Flächen siedelt sich zunächst oft der Rote Fingerhut als Pionierpflanze an. In zweiten Jahr kommt er zur Blüte und verschwindet danach schnell wieder, wenn andere Arten sich durchsetzen.

Beim Abstieg an der Nordseite des Knickenhagen entdecken wir den Lönsstein, den östlichsten in der Reihe der Externsteine. In Erinnerung an den „Heidedichter“ Hermann Löns, der hier um das Jahr 1900 wandernd unterwegs war und die Natur der Gegend in seinen Werken beschrieb, wurde sein inzwischen stark verwitterter Name in den Fels eingraviert.

Am Fuß des Knickenhagen-Höhenrückens geht es durch einen weiteren schönen Wald, in dem gerade die Himbeeren reif sind, zurück Richtung Nordwesten.

Kurz bevor wir wieder bei der Vierergruppe der eigentlichen Externsteine stehen, entdecken wir noch ein Highlight dieser Tour: eine feuchte Orchideenwiese. Das Gefleckte Knabenkraut setzt hier noch im Juli rosa Farbtupfer. Seinen Namen hat es nicht von den Tupfern auf seinen Blüten, sondern von Flecken auf den Blättern.

Ausgangspunkt ist das Infozentrum am oberen Rand des Parkplatzes Externsteine (GPS 51.870326, 8.925889; gebührenpflichtig, nur Barzahlung). Im Infozentrum hängt ein Plan aus, der drei Wanderrouten rund um die Externsteine zeigt. Wir sind bis zu den Steinen der blauen Route und dann dmr orangefarbenen Rundweg (Knickenhagen-Route) gefolgt. Einen Plan der von uns vorgeschlagenen Strecke habe ich bei Komoot eingestellt.

Das Infozentrum mit einer Ausstellung zur Geschichte der Externsteine und die Wanderrouten sind frei zugänglich. Hingegen ist die Besteigung der Felsen auf steilen Treppen gebührenpflichtig (Kasse am Fuß der Felsen) und von April bis Oktober normalerweise zwischen 10 und 18 Uhr, nach Umstellung auf die Winterzeit bis 16 Uhr, von November bis März zwischen 11 und 15 Uhr möglich. Letzter Ticketverkauf ist jeweils eine halbe Stunde vor Schließung. Witterungsbedingte Änderungen sind möglich. Weitere Infos dazu findest du hier.

Gastronomie: Am oberen Rand des Parkplatzes steht ein Imbisskiosk (Getränke, Eis). Schräg gegenüber neben dem Infozentrum befindet sich das gepflegte Café-Restaurant „Felsenwirt Externsteine“ mit großer Außenterrasse.

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